Kontrolle über die eigenen Daten: Einfach!

Grosse Firmen machen es uns immer einfacher und bequemer, Ihnen unsere Daten zu geben, inklusive den immer wichtiger werdenden Metadaten. Diese Informationen über unsere Vorlieben, Freundschaften, Aufenthalte und Geheimnisse sind perfekt für die lukrative Manipulation z.B. durch Werbung. Wir sind nicht die Kunden, wir sind das Produkt. Das muss nicht sein. Denn Selbermachen ist für technisch Interessierte nicht schwer.

[Dies ist die Textvariante zu unserem Workshop am Winterkongress 2018 der Digitalen Gesellschaft.]

Föderiert? Klar!

Die ersten IT-Systeme waren nur für die Personen nutzbar, die sich unmittelbar an dem Gerät anmelden konnten: Das System hatte nur lokalen Wert. Im Gegensatz dazu bieten Internetfirmen ihre Dienste heute zentral an: Es gibt nur ein Facebook oder WhatsApp; jegliche Kommunikation läuft über die Server der Firma; diese hat volle Kontrolle über alle Daten und wissen, wer sich wie häufig mit wem austauscht und wo sie sich gerade befinden.

Zentral und lokal klingen erst einmal nach Gegensätzen; in beiden Fällen ist es aber eine Person oder Organisation, die alles kontrolliert. Der Unterschied liegt nur in der Grösse. Dazwischen gibt es aber die Föderation, bekannt aus Funk und Fernsehen, aber auch aus der realen Welt. Das bedeutet, dass jeder lokale Betreiber die Kontrolle behält, aber trotzdem alle miteinander arbeiten können.

Neu ist das Konzept nicht: Bei Email sind die Domains hinter dem @ die Teilnehmer dieser Föderation. D.h. Emails innerhalb einer Domain verlassen diese nicht und trotzdem können Mitglieder verschiedener Domains miteinander kommunizieren.

So ähnlich funktioniert auch Nextcloud bei der Dateiverwaltung: Sowohl innerhalb eines Servers können Dateien und Ordner zwischen Nutzern freigegeben und geteilt werden, es steht aber auch jedem frei, seine Dateien mit Nutzern eines anderen Servers zu teilen. Nur die beiden beteiligten Server wissen von den beteiligten Nutzern und Dateien; alle anderen bleiben unwissend: Wenn ein User auf Server A etwas mit einem anderen User auf Server B teilt, haben Server C, D, E etc. keine Ahnung davon. Das bedeutet auch, dass die anderen Server alle ausfallen können und trotzdem A und B weiterhin Dokumente miteinander teilen können.

Mail basiert vor allem auf „Handelssprachen“ (Protokollen) wie SMTP und IMAP. Die muss man als Anwender nicht kennen und trotzdem funktioniert die Föderation.

Ähnlich wie bei Mail gibt es auch eine derartige Föderation bei Chat. Programme mit klangvollen Namen wie Conversations, Dino, Adium uvam. sprechen alle eine gemeinsame Sprache, nämlich XMPP. Auch hier haben wir den Vorteil, dass nur direkt Beteiligte etwas angeht, wer wann mit wem gesprochen hat.

Selbermachen ist angesagt

Einen Server für föderierte Datenspeicherung und Kommunikation mit Chat, Videochat und der gemeinsamen Onlinebearbeitung von Dokumenten ist keine Hexerei. Wenn alle Komponenten beisammen sind, ist es sogar schneller als das Einmachen von Konfitüre.

Im einfachsten Fall braucht man einen alten Rechner mit etwas Festplatte oder einen neuen Raspberry Pi mit einer SD-Karte. Beim alten Rechner lädt man Debian Stretch auf einen USB-Stick herunter und installiert dieses. Für den Raspberry Pi benötigt man Raspbian Stretch Lite und spielt es auf die SD-Karte.

Danach folgt man der Anleitung im JSXC-Wiki; je nach Erfahrung dürfte das etwa eine Stunde dauern. Es mag zuerst nach viel Text aussehen: Das meiste muss man nicht lesen oder ausführen, sondern einfach nur kopieren und einfügen. Viel Spass!

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