Glasklar: Infrastruktur für die Zukunft

Oder: Was braucht es, damit wir auch in der Zukunft noch dort arbeiten können, wo andere Ferien machen?

Stein am Rhein und seine Umgebung sind immer eine Reise wert. Oder sogar einen Umzug. Wie damals für mich und meine Familie. Nette Leute, eine tolle Lage und das malerische Städtchen sind das Eine. Aber den Ausschlag gibt oft die Infrastruktur. Für uns war es die Kita, für viele andere ist es die Verkehrsanbindung. Doch Autobahn und Schnellzug lassen sich nicht herbeizaubern.

Unsere Verkehrslage ist oft ein Schwachpunkt bei der Ansiedlung und Gründung von Firmen. Auch deren Mitarbeiter und Güter sollen kurze Wege haben.[1]Ganz abgesehen davon profitiert auch das soziale Leben im Städtchen sowie beispielsweise die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr und damit ihre Kosten davon, wenn mehr Einwohner auch vor Ort arbeiten.

Viel weniger ins Gewicht fällt die Lage bei Firmen und Personen aus dem digitalen Gewerbe rund um „Neue Medien“ und Software. Entwicklungen in diese Richtung gibt es bereits. Was nicht nur diesen Firmen und Personen fehlt: Der zukunftsfähige, schnelle Internetzugang, auch beim Upload.

Die klassischen Kupferkabel der Telefongesellschaften und Kabelfernsehbetreiber sind längst an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Der von der Swisscom vollmundig versprochene Glasfaserausbau endet an den Verteilkästen in den Quartieren. Auf der „letzten Meile“ stören sich—dicht gedrängt—weiterhin alte Telefonkabel. Mit immer teureren Geräten kitzeln die Anbieter letzte Leistungsreste aus den alten Kabeln.[2]Leider geht das auch zu Lasten des Wettbewerbs.

Es ist höchste Zeit für ein Umdenken, damit wir bereits heute den Bedarf von vernetzten Firmen und die baldigen Anforderungen der Haushalte abdecken können. Jetzt müssen wir mit der Planung von Glasfaseranschlüssen in die Häuser beginnen, damit diese in fünf bis zehn Jahren genutzt werden können.

Andere kleine Gemeinden wie Lindau haben schon vor Jahren ein Glasfasernetz als Standortvorteil aufgebaut; bei grossen Städten gehört das sowieso zum guten Ton. Im Kanton Zürich läuft eine Initiative, alle Haushalte des Kantons mit Glasfaser auszustatten.

Ein Glasfasernetz ist eine Chance, die wir hier mit unserer Lage unbedingt ergreifen sollten. Eine Investition in unsere Zukunft, die sich gleich doppelt bezahlt macht: direkt durch Nutzungsgebühren, indirekt durch Wirtschafts- und Standortförderung. Packen wir’s an!

Nur so können wir der schleichenden Zentralisierung und der damit einhergehenden Entvölkerung der Randgebiete inklusive Attraktivitätsverlust und Infrastrukturabbau entgegenwirken. Der Zukunft von Stein am Rhein zu Liebe.

Eine gekürzte Version dieses Artikels erschien als Forumsbeitrag der Dritten Fraktion am 19.09.2017 im Steiner Anzeiger.

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